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Berühmte Besucher in Bad Lippspringe

Von Personen und Persönlichkeiten – Eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit

Gehen Sie mit uns auf eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit. Und drehen wir die Zeiger der Uhr um etwa 175 Jahre zurück. Lippspringe ist ein kleines, noch etwas verschlafenes Landstädtchen. Die etwa 1.500 Einwohner leben, wie damals üblich, hauptsächlich vom Ackerbau und der Viehzucht oder sind ehrbare Handwerker und Kaufleute. Die zufällige Entdeckung der ersten Heilquelle 1832 verändert das beschauliche Dasein über Nacht. Nichts wird mehr wie vorher sein.

Der gute Ruf der neuen Quelle, speziell bei Atemwegserkrankungen („Brustleiden“) nachhaltig zu wirken, verbreitet sich rasant schnell. „Schon im Mai 1833 kommen die ersten Fremden hierher“, heißt es leicht skeptisch in der Ortschronik. Unter ihnen sind bald auch erlauchte und prominente Gäste.

Kronprinz Friedrich Wilhelm IV. von Preußen

Einer der ersten war Kronprinz Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, der spätere König Wilhelm IV. Er besichtigte mit großem Gefolge in den Jahren 1833, 1836 und 1839 die so genannten Corps-Manöver in der Nähe von Salzkotten bei Paderborn.

Über den enthusiastischen Empfang am 22. Juni 1839 ist in der örtlichen Kirchenchronik zu lesen:

...“Auch geruhte Hochderselbe einen Teil des hiesigen Orts selbst namentlich das Schmidtsche Gasthaus zur Erholung von der schweren Reise zu besuchen, aus der kalten Quelle am Jordan sogar knieend und aus der Minerals-Quelle Wasser zu schöpfen und zu trinken, ferner die Brunnen-Promenade, die Badeanstalt, Lippequelle, Burgruine und Jordanstraße, in Augenschein zu nehmen, sich dabei nach den Ortsverhältnissen genau zu erkundigen, den hiesigen Ort durch die schon vor Jahrhunderten erlangte Benennung „Stadt“ mit dem Zusatz „freundliches Städtchen“ zu beehren und Jeden, welcher sich ihm nahte sehr freundlich anzureden, sogar einige Kinder zu liebkosen....“

Clemens-August Freiherr Droste zu Vischering

Auch die hohe Geistlichkeit beehrte sich bereits in den Anfangsjahren, den aufstrebenden Badeort zu besuchen. Zu ihnen zählte im Jahre 1841 der ehemalige Erzbischof von Köln, Clemens-August Freiherr Droste zu Vischering. Er galt als einer der entschiedensten Gegner staatlicher Eingriffe in Kirchenfragen und war deswegen 1837 verhaftet und ohne Gerichtsurteil in Minden gefangengesetzt worden. Die anschließende Kur in Lippspringe sollte auch der Wiederherstellung seiner stark angegriffenen Gesundheit dienen.

Am 4. August 1841 bereitete ihm die Bevölkerung einen enthusiastischen Empfang. Auch hierzu lesen wir in der Kirchenchronik:

„...Als Hochderselbe am 1 sten Morgen hier kam, ritten ihm mehrere Bürger zu Pferde entgegen, Hw. Pastor Kleine mit den Lehrern, Lehrerinnen und Schuljugend empfingen ihn vor Lippspringe ganz feierlich und begleiteten Ihn bis zum Brunnen. Mehrere Triumpfbogen waren errichtet....“
Der ehemalige Erzbischof von Köln starb bereits 1845. In Erinnerung an den viel beachteten Kur-Aufenthalt in Lippspringe wurde ein Findling im Arminiuspark aufgestellt. Die daran angebrachte Bronzetafel trägt die Aufschrift „Clemens August Platz 1841“

Prof. Jacob Grimm

Die Liste der prominenten Besucher reicht weiter. Im Sommer 1846 kündigte Prof. Jacob Grimm (1785-1863) sein Erscheinen an. Wie der heute noch erhaltenen Kurliste zu entnehmen ist, befanden sich Schwägerin Dorothea und Tochter Auguste in seiner Begleitung. Jacob Grimm und sein jüngerer Bruder Wilhelm (1785-1859) sind nicht nur bedeutende Germanisten ihrer Zeit gewesen, sondern bis heute als Herausgeber der „Kinder- und Hausmärchen“ weltbekannt.

Über den etwa siebenwöchigen Kuraufenthalt von Jacob Grimm (6. Juni bis Ende Juli 1846) und seiner Angehörigen schreibt Wilhelm Grimm in einem Brief:

„Dortchen ist vor acht Tagen mit Augustchen über Hannover nach Lippspringe abgereist, das ganz in der Nähe von Paderborn liegt. Der Arzt hat es verordnet; die Quelle dort ist etwas milder als in Ems und man kann dort ruhiger und ländlicher leben....Wahrscheinlich geht auch Jacob noch dahin, weil es ihm der Arzt empfiehlt....“

Die erste Blütezeit des Bades endete abrupt – etwa um das Jahr 1885. Der Berliner Arzt Robert Koch hatte kurz zuvor den Tuberkulose Bazillus entdeckt und wies damit die Ansteckungsgefahr durch diese Lungenkrankheit nach. Bis dahin war man von einer erblichen Ursache der Tuberkulose ausgegangen. Augenblicklich blieben alle nicht-lungenkranken Gäste fern, denn niemand wollte sich ohne Not der Ansteckungsgefahr in Lippspringe aussetzen.

In dieser schwierigen Lage kam dem existenziell bedrohten Kur- und Badeort die Gründung der Sozialversicherungen in den 80-er Jahren durch Reichskanzler Otto von Bismarck zugute. Bereits 1896 sandte die Landesversicherungsanstalt Westfalen denn auch die ersten 67 Tuberkulose-Patienten nach hier. Damit zeichnete sich eine Entwicklung Lippspringes vom „Kurort der feinen Leute“ zum „Kassenbad“ ab.

Kaiser Wilhelm II. und Königin Elisabeth II.

Seinen ersten hohen Besuch im 20. Jahrhundert bekam Lippspringe dann auch bezeichnenderweise nicht mehr in seinen Mauern, sondern auf dem teilweise zur Lippspringer Feldmark gehörenden Truppenübungsplatz in der Senne. Dort beobachtete nämlich der deutsche Kaiser Wilhelm II am 23. August 1905 wie auch am 12./13. August 1908 ein großes Manöver seiner Truppen. Er befand sich so auf Lippspringer Boden, ohne aber den Ort selbst betreten zu haben.
Gleich dreimal besuchte die britische Königin Elisabeth II. den Lippspringe Teil der Senne, unter anderem am 7. Juli 1977 aus Anlass ihres 25-jährigen Thronjubiläums; in ihrer Begleitung Ehemann Prinz Philipp. Rund 25.000 Gäste, so berichteten die Zeitung von damals, verfolgten die große Truppenparade an der Winnigmühle.

Bundeskanzler Prof. Dr. Ludwig Erhard

In den vergangenen 50 Jahren trugen sich nicht nur hochgestellte ausländische Besucher in das Gästebuch der Stadt Bad Lippspringe ein. Nicht zu vergessen sind auch bedeutende bundesdeutsche Staatsoberhäupter und Politiker. Zu nennen sind hier der Bundespräsident Dr. Dr. Gustav Heinemann (1972) sowie die Bundeskanzler Prof. Dr. Ludwig Erhard (1966), zugleich „Vater des deutschen Wirtschaftswunders“ und sein Nachfolger im Amt, Dr. Kurt Georg Kiesinger.

Für die Badestadt bedeutsam waren natürlich die Besuche der nordrhein-westfälischen Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales. Als erster Minister dieses Ressorts kam am 27. Januar 1968 Werner Figgen nach Bad Lippspringe. Zu seiner Unterschrift im Gästebuch des Kurhotels vermerkte er mit einem Pfeil auf die Unterschrift:

„Gut für 10 Millionen Deutsche Mark“

Heinz Erhardt

In den 70-er und 80-er Jahren erfreute sich  das Tourneetheater im Kongreßhaus der Badestadt großer Beliebtheit. Zu den Gastspielen reisten so namhafte Künstler an wie: Curd Jürgens, Nadja Tiller, Sonja Ziemann, O.W. Fischer, Charles Regnier oder Inge Meysel. Der Schauspieler und Komiker Heinz Erhardt schrieb am 20. Juli 1971 für sich und seine Frau in das Gästebuch des Kurhotels: „Und wieder mal in Bad Lippspringe im immer schöner werdenden Kurhaus! Hier sind wir immer gern!“ Curd Jürgens vermerkte bei seiner Unterschrift am 29. Januar 1979: „Mit Gratulation für die gute Küche des Restaurants und die angenehme Atmosphäre im gepflegten Hotel.“

Papst Johannes Paul II.

Den in- und außerhalb Bad Lippspringes meist beachteten Besuch erhielt die Stadt am 22. Juni 1996. An diesem Tage feierte Papst Johannes Paul II. auf dem Flugplatzgelände am Rande der Stadt anlässlich seines dritten Deutschlandbesuchs mit fast 100.000 Teilnehmern einen Gottesdienst, der auch live im Fernsehen übertragen wurde. Der Papst begrüßte auch seine Gastgeber, den Bürgermeister und den Stadtdirektor Bad Lippspringes. In Deutschland dürfte es keine zweite Stadt dieser Größenordnung geben, die im vergangenen Jahrhundert einen Papst zu Besuch hatte und seine Unterschrift im Gästebuch führt.


Literatur:
Wieschok, Günter / Gottesbüren, Fritz: Erlauchte Gäste, in: Lippspringe im 19. Jahrhundert, Bilder und Berichte unserer Stadt, Horn-Bad Meinberg 1970, S. 52–60.
Göbel, Walter / Gottesbüren, Fritz / Hagemann, Wilhelm: Hoher Besuch, in: Heimatverein Bad Lippspringe (Hrsg.): Lippspringe im 20. Jahrhundert – Bilder und Berichte zu einer bewegten Zeit, Bad Lippspringe 1999, S. 281–293.

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Werner Figgen
Werner Figgen (Nordrhein-westfälischer Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales)
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Queen Elisabeth II (Königin von England)
Queen Elisabeth II (Königin von England)
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Papst Johannes Paul II
Papst Johannes Paul II